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Nach UNICEF-Schätzungen sind bislang ca. die Hälfte aller Kinder aus der Ukraine (ca. 4 mio.) auf der Flucht. Davon ungefähr 1,8 Millionen auf der Flucht ins Ausland.[1] Kriegserfahrung und Flucht traumatisieren Kinder. Sie verlieren nicht nur ihr Zuhause, sondern oft auch Familienmitglieder. Falls ihre Eltern noch nicht Opfer des Krieges wurden, ist es für viele, die unbegleitet flüchten, trotzdem unwahrscheinlich, dass sie sie jemals wiedersehen. Insbesondere für viele Kinder auf der Flucht ist ein Wiedersehen ungewiss.
Kinder nicht allein lassen!

Die wichtigsten Bezugsperson für Kinder sind - zumindest bis zur Pubertät - ihre Eltern, bzw. die Erwachsenen mit denen sie aufwachsen und die für sie sorgen. Flucht und Vertreibung entfernen diese Menschen oft voneinander, sodass Kinder auf sich allein gestellt oder auf fremde Hilfe angewiesen sind. Weder auf die akute Versorgung so vieler notleidender Kinder, noch auf den Umgang mit den im Krieg und auf der Flucht erlittenen Traumata sind die Ukraine und die Staaten, in die Kinder flüchten müssen, ausreichend vorbereitet. Wir Jugendverbände machen bei jedem Krieg in und um Europa herum die Erfahrung, dass es allenfalls ein paar Wochen dauert, bis schwer traumatisierte Kinder auch in unserer Arbeit auftauchen, die von staatlicher Seite insbesondere mit ihren psychischen Problemen allein gelassen werden.
Zugang zu Bildung ermöglichen!

Für Kinder in der Ukraine ist der freie Zugang zu Bildungs- und Freizeiteinrichtungen nicht mehr gewährleistet. Schulen und Kindergärten wurden zu militärischen Angriffszielen, die meisten Städte mit ihren Parks und Spielplätzen sind entweder Kriegsgebiet oder zerbombt. In den Staaten in die die Kinder geflüchtet sind gibt es bis jetzt keine Regelungen um den Zugang zu Bildung sicherzustellen - und selbst wenn es sie gibt, ist die sprachliche Barriere hoch.
Keine Gewalt gegen Kinder aus Russland!

Auch Kinder, die in Russland leben, sind vom Krieg betroffen. Die harten wirtschaftlichen Sanktionen sorgen dafür, dass es in vielen Orten an Lebensmitteln mangelt. Wenn die Sanktionen und der Kriegszustand länger andauern, kann es auch in Russland zu einer humanitären Notlage kommen. Darunter leiden nicht die, die diesen Krieg beschlossen haben, sondern Zivilist*innen und vor allem Kinder, die nie einen Einfluss darauf hatten, ob dieser Krieg geführt wird. Schon jetzt haben auch in Russland viele Kinder ihre Väter verloren, weil sie in den Krieg eingezogen und dort gestorben sind. Kinder aus Russland, die z.B. in Deutschland leben, sind außerdem dem Rassismus ausgeliefert der ihnen hier entgegenschlägt. Alleine in Berlin hat die Polizei seit Beginn des Krieges über 100 Straftaten gegenüber russischen Staatsbürger*innen und russischen Einrichtungen gezählt. Darunter auch eine russische Schule in Berlin-Marzahn.[2]
Keine Militarisierung! Nie wieder Krieg!

Der Krieg betrifft mittelbar auch Kinder in anderen europäischen bzw. EU-Staaten. Der durch den Krieg angeheizte europäische Nationalismus und die militärische Aufrüstung z.B. in Deutschland bedroht auch ihr weiteres Leben. Wenn Deutschland 100 Milliarden Euro für die Verteidigung beschließt, dann nicht (nur) wegen des aktuellen Krieges in der Ukraine, sondern vor allem für alle kommenden Kriege. Für kommende Kriege, die im Namen Europas, der EU, der NATO oder der "westlichen Werte” geführt werden. Mit Soldat*innen die heute noch Kinder sind. Für diese Kriege gibt es dann die notwendigen Waffen. Die notwendige Unterstützung wird mit der laufenden Kriegspropaganda und dem Anheizen des europäischen Nationalismus in der Bevölkerung geschaffen: Die CDU fantasiert über die Wiedereinführung der Wehrpflicht, Olaf Scholz tönt stolz in einer Kindersendung davon, dass man dafür gesorgt habe dass "Deutschland und seine Freunde”, stark sind und sich verteidigen können[3] und in Talkshows wird eine angebliche grundlegende Andersartigkeit zwischen europäischen und russischen Menschen heraufbeschworen. In diversen Kindersendungen, die sich mit dem Ukraine-Krieg beschäftigen, wird in verharmlosender Sprache über beispielsweise Waffenlieferung gesprochen. Kinder werden so als potenzielle Multiplikatoren kriegspolitischer Positionen behandelt. Dem müssen wir Jugendverbände uns entgegenstellen!

Wir dürfen nicht zulassen dass sich ein neuer europäischer Nationalismus entwickelt, der Jahre im Voraus Kriege im Namen der "liberalen Freiheit” rechtfertigt.